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Medikamentöse und epilepsiechirurgische Behandlung

Generell wird empfohlen, eine diagnostizierte Epilepsieerkrankung zu behandeln. Aber auch diese Regel kennt Ausnahmen. So kann man z.B. bei bestimmten Formen von Epilepsien mit sehr seltenen Anfällen, die durch eine Anpassung der Lebensführung (z.B. ausreichend Schlaf, kein Alkoholkonsum) überwiegend vermieden werden könnten, durch eine gemeinsame informierte Entscheidung von Arzt und Patient auf eine Behandlung verzichten. In den allermeisten Fällen wird aber eine Therapie durchgeführt werden.

Die beiden wichtigsten Behandlungsformen sind:

  • Die medikamentöse Therapie, also die langfristige regelmässige Einnahme von Wirkstoffen, die im Gehirn die Neigung zu epileptischen Anfällen abschwächen. Hierzu stehen derzeit etwa zwanzig verschiedene Medikamente  zur Verfügung. Der bestgeeignete Wirkstoff ist für jeden Patienten individuell auszuwählen unter Berücksichtigung der vorliegenden Epilepsieform und des allgemeinen Krankheitshintergrundes. Nicht selten ist es erforderlich, mehr als ein Epilepsiemedikament einzunehmen, um die Anfälle einzudämmen. Ziele der Behandlung sind Anfallsfreiheit oder wesentliche Minderung der Anfallshäufigkeit, und nebenwirkungsfreie Verträglichkeit der Medikamente.

  • Die chirurgische Behandlung in kurativer (heilender) Absicht. Dabei wird meist derjenige Bereich des Gehirns, in dem die Anfälle entstehen, operativ entfernt. Diese Behandlung kann erwogen werden, wenn die Medikamente nicht zum Erfolg führen. Möglich sind solche Eingriffe jedoch nur bei Patienten, bei denen ein sehr umschriebener anfallserzeugender Bezirk des Gehirns klar identifiziert werden kann. Auch muss gewährleistet sein, dass die Entfernung des Hirngewebes nicht selbst wieder mit zu hohen Risiken für postoperative Funktionsstörungen einhergeht. Die Klärung dieser Fragen erfordert eine sehr ausführliche und technische aufwändige Diagnostik, die sog. prächirurgische Epilepsiediagnostik (link).

Weitere Behandlungsformen werden auf dieser Homepage in eigenen kurzen Informationsblöcken thematisiert. Zu nennen sind die chirurgischen Behandlungen in lediglich krankheitsabschwächender („palliativer“) Absicht (vgl. VNS und DBS), sowie andere nichtmedikamentöse Behandlungsverfahren wie z.B. Diäten (vgl. ketogene Diät).

Je nach persönlicher, sozialer oder beruflicher Situation können auch eine psychotherapeutisch/psychiatrische Behandlung (vgl. Klinische Psychologie | Psychiatrie) und/oder eine Sozialberatung (vgl. Sozialberatung) ein wesentlicher unterstützender Teil der Epilepsie-Behandlung sein, sind doch häufig psychische Begleiterscheinungen und negative soziale und berufliche Konsequenzen der Epilepsie für das Alltagsleben mindestens ebenso bedeutsam wie die epileptischen Anfälle selbst.

Für im engeren Sinne alternativmedizinische Behandlungsansätze konnte bisher leider kein zweifelsfreier Wirkungsnachweis bei Epilepsie erbracht werden.