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Telemetrie

Telemetrie (griechisch) meint die elektronische Übermittlung des EEGs vom Patienten auf entfernt stehende Aufzeichnungssysteme. Bei der Radio-Telemetrie werden die bioelektrischen Signale in einem kleinen, tragbaren, batteriebetriebenen Sender verstärkt und drahtlos mittels Radiowellen vom Patienten auf die Empfangseinrichtungen gesendet und gespeichert. Bei der Kabel-Telemetrie geschieht die EEG-Übermittlung nicht drahtlos, sondern über ein dünnes, flexibles Kabel.

Die Telemetrie dient in erster Linie der Diagnostik und Verlaufskontrolle von unklaren anfallsartigen Ereignissen – mit dem Ziel, diese aufzuzeichnen. Die Untersuchungen dauern meistens mehrere Stunden mit gleichzeitiger unterbruchfreier EEG- und Videoaufzeichnung. Zusätzlich können je nach Fragestellung andere elektrophysiologische Signale wie EKG (Elektrokardiogramm), EMG (Elektromyogramm) u.a. mitregistriert werden.

Durch die telemetrische Übermittlung wird die Bewegungsfreiheit der Patientinnen und Patienten während der Untersuchung nicht eingeschränkt. Dies erlaubt speziell bei Kindern oder behinderten Patientinnen und Patienten längere Untersuchungszeiten. Die Mobilität zusammen mit einer möglichst natürlichen Umgebung im Untersuchungszimmer erleichtern die Anfallserfassung, da eine «Laborumgebung» die Anfallshäufigkeit oft beeinflusst. Das Verhalten des Patienten in einem Anfall wird gleichzeitig mittels einer ferngesteuerten Kamera aufgezeichnet. Das Videobild ermöglicht eine sehr differenzierte klinische Anfallsbeobachtung und lässt sich zeitsynchron mit dem EEG auswerten.

Die Patienten und das EEG werden kontinuierlich von Fachpersonen für Neurophysiologische Diagnostik (FND) überwacht. So lassen sich auch Anfälle erkennen, die sehr kurz sind - teilweise weniger als eine Sekunde - oder die mit sehr diskreten Symptomen einhergehen. Zum Beispiel ein kurzes Innehalten oder feine Augen- oder Kopfbewegungen, die bei oberflächlicher Beobachtung kaum wahrnehmbar sind. Seit den Pionierzeiten der Telemetrie in den 1970er-Jahren führt die Schweizerische Epilepsie-Klinik solche Untersuchungen durch. Sie hat daher mehr als 40 Jahre Erfahrung mit Anfallsuntersuchungen.